"Spielend Sprachen lernen!" - Fremdsprachenunterricht in unserem Kindergarten

Die Kommunikation ist das Werkzeug für die Verständigung mit anderen Menschen im Zeitalter der multikulturellen Gesellschaft, Globalisierung und Europapolitik.
Die für Europa „normale“ Einsprachigkeit wird den Anforderungen auf Dauer nicht mehr gerecht, deshalb ist es erforderlich, mehrere Sprachen zu beherrschen.
Kindertageseinrichtungen verfügen über ideale Vorraussetzungen, um Kindern die Chance einer zusätzlichen Sprache zu eröffnen.

Diese Erkenntnis war Ende 2001 der Anlass, ein Bilinguales Projekt in unserer Einrichtung zu starten und es als einen wichtigen Bestandteil in der Konzeption und dem Leitbild festzuschreiben.

Unsere ehemalige Kindergartenmutter Nathalie Marie France Gensheimer, geboren in Saverne/ Frankreich, betreut seit Anfang 2002 unser bilinguales Projekt.
Ihre drei Kinder besuchten unsere Einrichtung und brachten sich mit ihrer Zweisprachigkeit wie selbstverständlich in den Kindergartenalltag mit ein und bereicherten das Miteinander auch durch das Vermitteln einer anderen Lebensweise und Kultur.

An vier Vormittagen in der Woche, für jeweils eine halbe Stunde, werden die Kinder der Regelgruppe und die älteren Kinder der Familiengruppe gemeinsam durch Aktionen, Lieder und kleine Aufgaben von der Muttersprachlerin spielerisch an den Umgang mit der französischen Sprache herangeführt.

Die Sprache muss in die jeweilige Aktion eingebunden sein.
Das Gesagte wird durch Handlungen, Gesten und Zeigen unterstützt.
So sagt Nathalie z.B.: "Cette poupée peut marcher!" (Die Puppe kann laufen!), zeigt und erklärt dieses mit Hilfe einer Babypuppe.
Die Kinder lernen die Sprache über die jeweilige Situation.
Diese Methode heißt "Immersion" und kann mit Sprachbad übersetzt werden.
Je länger, je intensiver und je vielfältiger die Immersionssituationen sind, desto besser bilden sich die Kompetenzen aus.

Erkenntnisse der Spracherwerbsforschung unterstützen dieses Vorgehen:

Wir orientieren uns an den Erkenntnissen von Patricia Nauwerk, die in Freiburg eine Doktorarbeit über frühkindliche Sprachbegegnung geschrieben hat.

Um zweisprachig aufwachsen zu können, müssen Kinder laut ihrer Auffassung die unterschiedlichen Sprachen von einander trennen können:

Frau Nauwerk meint, dass durch Angebote in einer anderen Sprache für jeweils 20 Minuten, mehrmals wöchentlich, ein wichtiger Grundstein für das weitere Lernen von Fremdsprachen gelegt wird.
Auch wenn die Vokabeln bis zur Grundschule meist vergessen sind:

So geht es beim Sprachunterricht im Kindergarten auch eher um die Förderung von Sprachbewusstsein und phonetischer Flexibilität sowie um Spaß und wertschätzendes Miteinander.

Seit Anbeginn unseres Bilingualen Projektes zieht sich die französische Sprache wie ein roter Faden durch den Kindergartenalltag.
Kinder, die drei Jahre die Einrichtung besuchen, können französische Sätze sprechen und altersgemäße Dialoge führen.
Mittlerweile werden alle Kindergartenveranstaltungen, wie z. B. Familiengottesdienste und –feiern mit französischsprachigen Elementen (Liedern, Singspielen, Theaterstücken, Reimen…) abgehalten.
Die Resonanz der Eltern ist positiv.
Einige Eltern reaktivieren ihre brachliegenden Französischkenntnisse und unterstützen so das Projekt.
Unsere Einrichtung hat bereits zwei Rundfunkbeiträge zum Thema: “Frühe Zweisprachigkeit!“ gestaltet und die positiven Erfahrungen weitergegeben.

In den Jahren 2003-2010 gab es sogar ein gemeinsames Französischprojekt mit der Grundschule "Eiderschule".
Dort wurde mit Nathalie eine Arbeitsgruppe eingerichtet, in der unsere Schulanfänger ihre Französischkenntnisse weiterführen konnten.
Alle interessierten Schüler konnten die AG nutzen.
Durch die Verlegung des Schulstandortes musste das Projekt bedauerlicherweise eingestellt werden.

Durch das Erlernen einer weiteren Sprache vor Schuleintritt entstehen nach unseren mehrjährigen Erfahrungen keine Defizite in anderen Bereichen.

Um uns fachlich auszutauschen nutzen wir Mitarbeiterinnen den kollegialen Dialog mit anderen Kindertageseinrichtungen, die Französisch anbieten.
Die Qualitätssicherung unserer Bilingualen Arbeit erfahren wir durch die Zusammenarbeit mit dem Verein für frühe Mehrsprachigkeit in Kiel.
Regelmäßig bietet dieser Veranstaltungen und Fortbildungen an, die von uns genutzt werden, um unser Wissen zu erweitern und unser Handeln zu reflektieren.


Unsere Französischfachfrau Nathalie Marie France Gensheimer


Anfang 2002 stellten wir unser Bilinguales Projekt der Öffentlichkeit vor!