„Herrn Pastor sien Kauh!“ –Und andere plattdeutsche Tiere in unserer Kita

Goethe sprach tiefstes Hessisch, Schiller ein breites Schwäbisch und bei uns im Norden sprach der Dichter Klaus Groth die Regionalsprache Dithmarscher Plattdeutsch.
Wir leben in Dithmarschen und uns liegt der Erhalt der plattdeutschen Sprache sowie der damit verbundenen Tradition am Herzen, da die Regionalsprache auch immer Ausdruck der eigenen Identität ist und den Kindern die Möglichkeit bietet, ihren Gefühlen und Gedanken auf unterschiedliche Art Ausdruck zu verleihen.

Einige Kinder unserer ev. Kita kennen die Regionalsprache bereits aus ihrem Elternhaus, verstehen diese und sprechen sie selber ganz gut.
Die Alltagserfahrung hat gezeigt, dass diese Kinder in unserer Einrichtung gut "umschalten", hochdeutsch sowie plattdeutsch unterscheiden und gezielt einsetzen können. Es gibt aber auch Kinder, die bis zum Kita-Eintritt mit der Sprache noch nicht in Berührung gekommen sind.
Sie haben nach einer kurzen "Einhörphase" keine Schwierigkeiten, plattdeutsch zu verstehen, werden mit der Regionalsprache vertraut und nehmen plattdeutsche Begriffe sowie Redewendungen in ihren Wortschatz auf.
Das zeigt sich u. a. dadurch, dass auch jüngere Kinder die plattdeutsche Sprache unbewusst und vermehrt immer mal wieder einsetzen.
Viele Eltern wiederum können plattdeutsch zwar verstehen, trauen sich aber nicht, es frei zu sprechen.
Sie berichten jedoch, dass ihre Kinder schon mal plattdeutsche Begrifflichkeiten mit nach Hause gebracht und ungeniert vorgetragen hätten.
Die Großen können von den Kleinen lernen, unbefangener mit plattdeutsch umzugehen, denn an erster Stelle soll der Spaß am Erproben einer neuen bzw. wenig bekannten Sprache stehen.

Durch das Hören von plattdeutschen Geschichten, dem Erlernen von kleinen Reimen, Gedichten, Liedern und Bewegungsspielen gewinnen die Kinder Sicherheit und Routine im Verwenden der Regionalsprache.

Diese Angebote offerieren plattdeutsch sprechende pädagogische Fachkräfte sowie Ehrenamtliche aus dem Kita-Umfeld.

Mädchen und Jungen bis zum vierten Lebensjahr fällt es meist sehr leicht, sich in unterschiedlichen Sprachsystemen zurecht zu finden.
Egal, ob die Kinder mit Plattdeutsch oder Französich als Zweitsprache aufwachsen:
Sie lernen von klein auf, mit verschiedenen Sprachgefügen und Aussprachen, einem umfangreichen Wortschatz und unterschiedlichen grammatikalischen Strukturen umzugehen.

Eine Studie der Universität Oldenburg belegt, dass Kinder, die ausschließlich mit Hochdeutsch aufwachsen, in der Schule teilweise größere Schwierigkeiten haben, die mündliche Sprache in eine schriftliche Form zu bringen als Kinder, die mit einer Regionalsprache aufwachsen.
"Diese machen bis zu 30 % weniger Rechtschreibfehler, denn sie bemerken bereits sehr früh den Unterschied zwischen gesprochener und geschriebener Sprache," so der Sprachforscher und Mundartexperte Professor Anthony Rowley (Ludwig-Maximilian-Uni, München).
Das ist gerade deshalb so bedeutend, weil selbst im exakten Hochdeutsch nicht alles so geschrieben wird, wie man es spricht, z. B. "Vogel" und nicht "Fogel" oder "heute" und nicht "hoite".

"Ein zusätzlicher, authentischer regionaler Wortschatz ist gut für das Sprachverständnis und vermittelt den Kindern ein besseres Sprachgefühl," weiß Sprachdidaktiker Dr. Rupert Hochholzer (Uni Regensburg).
"Die Zeit, in der eine Regionalsprache als provinzial und peinlich galt, ist vorbei!"